„Es ist bitter, aber wir ziehen lieber die Notbremse“, sagt Niko Schramme, Vorsitzender der Schützengilde. Die Entscheidung sei dem Vorstand nicht leicht gefallen. Hintergrund sind verschärfte Auflagen für die Durchführung der Veranstaltung. „Das ist für uns nicht zu schaffen – weder personell noch finanziell“, berichtet Schramme. Bereits im vergangenen Jahr habe die Organisation die rund 140 Mitglieder starke Gilde an ihre Grenzen gebracht.
2025 gab es schon viel
Ärger mit den Sperrungen
2025 sei das Fest nur mit enormem Kraftaufwand zustande gekommen. „Da haben wir es durchgezogen, weil wir in den Planungen schon so weit fortgeschritten waren, dass das finanzielle Risiko zu groß war“, erinnert sich der Vorsitzende. Mit der heißen Nadel gestrickt und „absolut am Limit für alle Beteiligten“ seien Fest und Umzug über die Bühne gegangen. Doch es habe viel Ärger gegeben.
Für besonderen Unmut sorgten die Sicherheitsvorkehrungen entlang der Umzugsstrecke. Das Ordnungsamt hatte im Vorfeld eine Verschärfung angeordnet. Sämtliche Straßen an der Wegstrecke mussten von den Schützen mit großen Wasserbehältern, Treckern, Lkw und sogar eigenen Autos gesperrt werden – teilweise über Stunden hinweg. Die Folge waren lange Rückstaus in der Lübecker Straße, Geibelstraße, Eutiner Straße und im Riesebusch. Viele Bürger reagierten verärgert.
Eigentlich war geplant, dass sich Organisatoren und Stadtverwaltung zeitnah nach dem letzten Fest zusammensetzen, um gemeinsam eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Doch ein solches Treffen kam nicht zustande. „Das haben beide Seiten versäumt“, räumt Schramme ein. Ohne abgestimmtes Konzept und angesichts der bestehenden Auflagen habe der Festausschuss schließlich entschieden, das große Schützenfest 2026 abzusagen.
Auflage sieht die Sperrung von 43 Straßen vor
Zwar hatte Bürgermeisterin Katrin Engeln kurzfristig zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen und weitere Unterstützungsangebote gemacht. Auch die Polizei kündigte an, zumindest die Sperrung der großen Straßen beim Festumzug zu übernehmen. Doch aus Sicht der Gilde reicht das nicht aus.
„Unsere Sperrungen im Vorjahr mit großen Lkws und auch einem gepanzerten Wagen der Bundeswehr fand die Polizei sehr befremdlich und hat deshalb Unterstützung zugesagt“, sagt Schramme. Die aktuelle Auflage des Ordnungsamtes sehe aber die Sperrung von insgesamt 43 Straßen vor. „Wir machen dem Ordnungsamt keinen Vorwurf, aber so ist diese Veranstaltung für uns nicht zu wuppen.“
Die Nachricht von der Absage löste parteiübergreifend Bedauern aus. Im jüngsten Ausschuss für Sicherheit und Kultur wurden die Mitglieder unter dem Punkt Mitteilungen von Ordnungsamtsleiter Dennis Wiese informiert. Andreas Marks (CDU) zeigte sich enttäuscht: „Ich bin ehrlich gesagt geschockt, dass hier im Vorfeld keine Lösung gefunden werden konnte. Der Festumzug ist eine so tolle Veranstaltung.“
Ehrenamtler werden
überfordert
Heidemarie Plücker (SPD) äußerte Verständnis: „Die Entscheidung der Gilde ist nur zu bedauern, aber auch nachvollziehbar. Das Ehrenamt kommt hier an seine Grenzen.“ Folkert Jeske (Grüne) sagte: „Wenn wir das kurzfristig nicht mehr hinbekommen, dann sollten wir gucken, was benötigt wird, damit das Fest wieder im großen Rahmen stattfinden kann.“
Breite Zustimmung erhielt der Vorschlag von Wolf-Rüdiger Traß (WBS). Der Ausschussvorsitzende regte an, den Gilde-Vorsitzenden in eine der nächsten Sitzungen einzuladen, um aus erster Hand zu erfahren, wie die Stadt unterstützen kann, damit die Traditionsveranstaltung 2027 wieder in gewohnter Form gefeiert werden kann.
Es ist nicht die erste Absage in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Vereins. Zuletzt 2020 und 2021 musste das Volks- und Schützenfest coronabedingtausfallen. Umso größer ist nun die Hoffnung, dass Politik, Verwaltung und Gilde gemeinsam Lösungen finden, damit der Festumzug künftig wieder durch die Straßen von Bad Schwartau ziehen kann.
Ganz ausfallen wird das Schützenfest 2026 jedoch nicht. Geplant ist ein „Schützenfest light“ an nur einem Tag, statt wie bisher an dreien. Am Sonnabend, 6.