Windkraftanlagen sollenum 100 Meter wachsen
Qualitas Energy will den Windpark Obernwohlde mit neuer Technik bestücken.

Wenn es nach dem Betreiber Qualitas Energy geht, sollen die Windräder in der Gemeinde Stockelsdorf durch größere Anlagen ersetzt werden.Foto: Gemeinde Stockelsdorf
Stockelsdorf. Die Energie-Investmentgruppe Qualitas Energy hat den bestehenden Windpark nordwestlich von Obernwohlde übernommen und treibt nun die Planungen für ein sogenanntes Repowering voran. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung Stockelsdorf stellten Projektleiter Lukas Scheulen und Umweltplanerin Paula Heimroth das Vorhaben und die nächsten Schritte vor. Das Plangebiet erstreckt sich über die Dorfschaften Obernwohlde und Dissau bis zur Gemeinde Pronstorf sowie nach Cashagen in der Gemeinde Ahrensbök.

Kern des Projekts ist der Austausch der bestehenden Windkraftanlagen durch leistungsstärkere Modelle neuester Generation. Seit 2017 sind in dem Gebiet 20 Anlagen des Typs Enercon E-101 mit einer Gesamtleistung von 61 Megawatt in Betrieb. Diese sollen künftig durch 15 neue Anlagen ersetzt werden. Obwohl sich die Zahl der Windräder reduziert, wächst die geplante Leistung deutlich. Die neuen Anlagen werden nämlich von bislang 149,5 Metern auf künftig rund 249 Meter Gesamthöhe wachsen. Nach Angaben des Betreibers soll sich die Stromproduktion durch die neue Technik mehr als verdoppeln.

Strombonus für

betroffene Bürger

Das Repowering soll sich am Ende für alle Betroffenen auszahlen. Qualitas Energy stellt für die Gemeinde Stockelsdorf jährliche Beteiligungszahlungen von bis zu 280.000 Euro in Aussicht, hinzu kämen höhere Gewerbesteuereinnahmen. Auch für Bürgerinnen und Bürger ist ein Strom-
bonus geplant. Darüber hinaus kündigte das Unternehmen an, lokale Vereine wie den ATSV
Stockelsdorf oder den SV Dissau bei Projekten finanziell unterstützen zu wollen.

Technisch verspricht der Betreiber mehrere Verbesserungen. Die neuen Anlagen sollen effizienter und insgesamt leiser arbeiten als die bisherigen. Vorgesehen ist zudem eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung, bei der die Hindernisbefeuerung nur bei Annäherung von Flugzeugen aktiviert wird. Nach Darstellung von Qualitas Energy würden sich außerdem die Abstände zu den Wohngebieten von Stockelsdorf vergrößern.

Geringere Belastung

trotz größerer Anlagen

Trotz dieser Zusagen stößt das Vorhaben in Stockelsdorf auf kritische Nachfragen und spürbare Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung. Vor allem die deutlich größere Bauhöhe wirft Fragen hinsichtlich des Landschaftsbildes, möglicher Lärmbelastungen und der Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt auf.

Projektleiter Scheulen versuchte, diese Sorgen zu relativieren. Abgesehen von der Höhe der neuen Anlagen würden die Betroffenheiten insgesamt geringer ausfallen, erklärte er. Der Windpark werde insgesamt leiser werden. „Auch die Vorgaben für die Beschattung von maximal 30 Minuten am Tag werden eingehalten“, sagte Scheulen. Zudem würden Umwelt-, Natur- und Artenschutzbelange umfassend berücksichtigt.

Windkraft-Betreiber

wirbt um Zustimmung

der Gemeinde

Rechtlich wäre ein Repowering in der vorgestellten Form nur mit Zustimmung der kommunalen Gremien möglich. Erforderlich wäre eine Änderung oder Aufhebung des bestehenden Bebauungsplans. Die angrenzenden Gemeinden stehen dem Vorhaben grundsätzlich offen gegenüber. Durch die höhere Stromerzeugung könnten sich somit auch die Einnahmen der Kommunen deutlich erhöhen.

In der Gemeindevertretung Stockelsdorf wurde jedoch deutlich, dass der Weg zur Zustimmung noch weit ist. Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) betonte: „Es gibt keine Entscheidung. Qualitas Energy wirbt derzeit lediglich um Zustimmung.“ Helmut Neu (UWG) äußerte deutliche Skepsis: „Schon die bestehenden Anlagen wirken teilweise monströs, dieser Eindruck wird sich mit einem Höhen-
zuwachs von rund 100 Metern verstärken.“ Annie Schubart (Grüne) stellte dem entgegen: „Die Windkraftanlagen sind groß, aber auch die Vorteile sind groß.“Das sieht der Verein Horizont allerdings anders. „Die Auswirkung der Höhe der geplanten Windkraftanlagen wird unterschätzt“, sagt Klaus-Olaf Zehle. Er zweifelt zudem die positiven finanziellen Auswirkungen für die Gemeinde an. Aus seiner Sicht werden vermutlich die Gewerbesteuereinnahmen durch den Rückbau der bestehenden Anlagen und die riesigen Investitionen für die neuen Anlagen zunächst einmal zurückgehen. Die Diskussion um das Repowering dürfte die Gemeinde daher noch länger beschäftigen. SEP
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