Noch-Pächter Gerhard Moser befürchtet ein „desaströses Ende“. Auch Bewohnerin Gesa Böttcher ist in Sorge. „Hier ist unser Zuhause, und es ist ein Stück Heimat geworden“, sagt sie. „Da es bis heute keine handfeste Pachtnachfolge gibt, müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass wir zum 30. Juni den Hof verlassen müssen.“
Die Lage ist verfahren. Pächter Gerhard Moser, der in 35 Jahren dieses sozial-ökologische Projekt aufgebaut hat, darf nicht weitermachen – wegen seines Alters. „Klar war und ist aber: Mit dem derzeitigen Pächter kann wegen seines Alters kein Pachtvertrag auf 30 Jahre geschlossen werden“, stellt die Lübecker Stiftungsverwaltung klar.
Moser hatte seinen langjährigen Verwalter als Nachfolger vorgeschlagen. Doch im vergangenen Jahr kündigte die Stiftung plötzlich eine öffentliche Ausschreibung des Hofes nach Höchstgebot an. Moser fürchtete um die sozial-ökologische Ausrichtung des Betriebs und startete eine Petition, die mittlerweile mehr als 2700 Bürger unterschrieben haben.
Stiftung hat auf
Ausschreibung verzichtet
Von der Ausschreibung ist jetzt keine Rede mehr. „Die Satzung der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital enthält keine Regelungen zur Vergabe des Stiftsgutes“, erklärt die Verwaltung auf LN-Anfrage. „Es gibt ein aktuelles Pachtwertgutachten, welches der Stiftung aufzeigt, welche Pacht bei einer ökologischen Bewirtschaftung zu erreichen ist. Das ist die Leitlinie für die Stiftung.“
Gerhard Moser darf nicht mehr, eine Ausschreibung gibt es nicht, da bleibt nur ein einziger Bewerber übrig, mit dem Stadt und Stiftung aktuell verhandeln. Der Betroffene hat auf LN-Anfrage reagiert, will aber nicht namentlich genannt werden, weil unklar ist, ob es überhaupt zu einem Pachtverhältnis kommt.
„Auch ich habe ein Konzept zur Pachtung des Betriebs eingereicht“, sagt der potenzielle Pächter. „Der Fokus liegt hierbei auf einer naturnahen, ökologischen Landwirtschaft, der Übernahme von Arbeitsverhältnissen sowie dem Erhalt bestehender Sozialstrukturen, soweit dies im rechtlichen Rahmen möglich ist.“
Die Fortführung der Pferdepension sowie den Betrieb der Biogasanlage kann sich der Bewerber vorstellen. Alle Mietverhältnisse aber könne er nicht übernehmen.
Auch Stadtverwaltung und Stiftung können nicht helfen. „Es werden derzeit Gespräche mit dem vom jetzigen Pächter vorgeschlagenen potenziellen Nachfolger geführt“, sagt die Verwaltung.
„Vermietungen, Pferdepension, Natur-Kita und so weiter wurden vom derzeitigen Pächter im Rahmen von Mietverträgen geschlossen und waren immer an die Laufzeit des Pachtvertrages gekoppelt, der am 30. Juni 2026 endet“, sagt die Verwaltung. „Die Stiftung ist nicht Vertragspartei und kann auch nicht in die Mietverträge einsteigen. Was mit diesen Verträgen passiert, kann geklärt werden, wenn feststeht, wer der neue Pächter ist.“
Am 1. Juli den Hof
besenrein übergeben
Noch-Pächter Gerhard Moser: „Uns bleibt also nichts anderes übrig, als den Hof von Menschen und Tieren verlassen besenrein am 1. Juli an die Stiftung zu übergeben.“ Die Hansestadt interessiere sich nicht für diese prekäre soziale Situation. „Das ist in unseren Augen ein Armutszeugnis für eine sozialdemokratisch geführte Stadtverwaltung“, erklärt Moser.
Zwei Familien – eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern sowie eine weitere Familie mit zwei kleinen Kindern – würden bereits ausziehen. Aber was wird aus 23 weiteren Hofbewohnerinnen und -bewohnern, aus den 16 Kindern in der Naturkita, aus den zwei Vollzeitangestellten, zwei Auszubildenden, zwei Teilzeitkräften und den saisonalen Aushilfen?
Wohin gehen die 35 Pferdebesitzerinnen und -besitzer in der Pension? Was wird aus den 120 Kundinnen und Kunden, die sich im Rahmen einer „Solidarischen Landwirtschaft“ am Cow-Sharing beteiligen?
„Die Mieter wohnen teilweise schon seit über 15 Jahren auf dem Hof“, berichtet Gesa Böttcher. Sie lebt mit ihrem Mann, einer Katze, drei Laufenten, einem Pferd und 30 Hühnern auf dem Hof. „Wo sollen wir eine Mietwohnung finden, die uns alle beherbergt?“ Insbesondere bei der aktuellen Wohnungssituation sei das kaum denkbar.
„Wir möchten hierbleiben, aber feste Zusagen kann uns keiner geben“, kritisiert Gesa Böttcher. Seit 35 Jahren sei bekannt, dass die Pacht des Krumbecker Hofs am 30. Juni 2026 ende und ein neues Pachtverhältnis abgeschlossen werden müsse. „Jetzt, gut fünf Monate vor diesem Datum, weiß man ungefähr genauso viel: dass die Pacht übergeben werden muss – alles andere ist offen", sagt die Mieterin. „Planbarkeit für alle Beteiligten ist in weiter Ferne.“
Stadt und Stiftung kündigen für spätestens Februar eine Entscheidung und damit eine Beschlussvorlage für die Bürgerschaft an. Noch-Pächter Moser bietet an, solange weiterzumachen, bis ein Nachfolger übernimmt.