Weniger Flüchtlinge, aber Stockelsdorf weiter unter Druck
153 Personen muss die Gemeinde aufnehmen – Bad Schwartau steht besser da.

Diese Appartementhäuser konnte die Gemeinde Stockelsdorf für weitere drei Jahre anmieten, um Geflüchtete unterzubringen.Sebastian Prey
Stockelsdorf. Die Unterbringung von Flüchtlingen bleibt in der Gemeinde Stockelsdorf problematisch. Seit Jahren erfüllt Stockelsdorf nicht die vom Kreis Ostholstein festgelegte Quote. Grund: Es fehlt an Wohnraum.

Auf schnelle Lösungen, wie die Unterbringung von Geflüchteten in Containern, will die Gemeinde weiterhin weitgehend verzichten. Stockelsdorf hält an dem Prinzip einer dezentralen Unterbringung fest. Notwendige Bauvorhaben in Franzhörn, Ahrensböker Straße und in der Max-Hamerich-Straße sind allerdings gerade erst gestartet oder in Vorbereitung. Und so bleibt die Situation trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen in Stockelsdorf angespannt.

Kreis rechnet mit 850 Flüchtlingen in diesem Jahr

Die Verteilung von Migranten im Kreis Ostholstein erfolgt auf Grundlage eines jährlich neu festgelegten Verteilerschlüssels. Für 2026 wurde die kreisweite Aufnahmequote auf 850 Personen festgesetzt. Im Vergleich dazu lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 635 Personen, nachdem 2024 noch 913 und 2023 sogar 1429 Menschen auf die Kommunen verteilt worden waren.

Von den 850 im Kreis aufzunehmenden Personen entfallen in diesem Jahr insgesamt 153 auf die Gemeinde Stockelsdorf. Hintergrund ist, dass die Gemeinde ihre Aufnahmeverpflichtung über mehrere Jahre hinweg wegen fehlenden Wohnraums nicht vollständig erfüllen konnte. Dadurch hat sich kreisweit der höchste Aufnahmerückstand aufgebaut, was jetzt zur höchsten Aufnahmequote im Kreis führt.

Viele Geflüchtete kommen mit gesundheitlichenProblemen

Das ist aber nicht das einzige Problem. Mit der steigenden Zahl wächst auch der Betreuungsbedarf. Zunehmend werden Menschen mit multiplen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zugewiesen, die barrierefreie oder besonders ausgestattete Unterkünfte benötigen. Ordnungsamtsleiter Stefan Köhler: „Wenn die anderen Kommunen im Kreis sich nicht freiwillig zur Aufnahme melden, dann sind wir ob der schwachen Aufnahmequote an der Reihe.“ Dies führe zu einem deutlich höheren Beratungs- und Betreuungsaufwand.

Aktuell leben 338 Migranten in gemeindlichen Unterkünften. Die Gebäude befinden sich teils im Eigentum der Gemeinde, teils wurden sie angemietet. Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Derzeit stehen lediglich zwei leer stehende Unterkünfte zur Verfügung. Zum Februar und April können zwar weitere Objekte angemietet werden, gleichzeitig entfällt jedoch eine Unterkunft durch Kündigung wegen Eigenbedarfs.

Positiv ist der Abschluss eines neuen dreijährigen Mietvertrags mit dem Hotel „Lübecker Hof“ für zwei Appartementhäuser. Dort sind mit 45 Personen die Kapazitäten nahezu ausgeschöpft. Ordnungsamtsleiter Köhler: „Die hohe Quote bei gleichzeitig fehlendem Wohnraum stellt die Gemeinde also weiter vor große Herausforderungen. Wir sind bei der Unterbringung auf Kante genäht.“

Bad Schwartau: Hohe Quote, aber Kapazitäten vorhanden

Etwas entspannter ist die Situation in Bad Schwartau. Bei der Aufnahmequote steht die Nachbarstadt Stockelsdorf allerdings nur wenig nach. Der Verteilerschlüssel des Kreises sieht für Bad Schwartau 147 Personen zur Aufnahme 2026 vor. „Wir sind derzeit aber ganz gut aufgestellt und verfügen in allen größeren Objekten über Kapazitäten“, berichtet Ordnungsamtsleiter Dennis Wiese.

Ein Grund dafür seien nicht nur die rückläufigen Zahlen. Das Team zur Koordination Migration/Integration habe in der Vergangenheit bei der Vermittlung von Wohnraum erfolgreich unterstützt. Aktuell hat die Stadt Bad Schwartau rund 350 Personen untergebracht. Zu Spitzenzeiten musste die Stadt um die 500 Menschen mit Wohnraum versorgen. Die meisten Geflüchteten, die derzeit eine Bleibe suchen, kommen übrigens nach wie vor aus der Ukraine. und SEP
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