Von der Kaiserbahn zur Draisinenstrecke
1897 wurde die insgesamt 154 Kilometer lange Strecke von Hagenow bis nach Kiel auf Wunsch von Wilhelm II gebaut.

Bahnbedienstete am Bahnhof Hollenbek Angang des 20. Jahrhunderts.Foto: Florian Grombein
Ratzeburg/Hollenbek. Die heute als idyllische Draisinenstrecke bekannte Bahnlinie zwischen Ratzeburg und Hollenbek war einst Teil einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Kaiserreichs. Erbaut wurde sie auf persönlichen Wunsch von Kaiser Wilhelm II., der als leidenschaftlicher Bahnreisender eine möglichst direkte Verbindung von Berlin zum Marinehafen Kiel verlangte. Mit einem Lineal soll er grob die Srecke markiert haben.

Am 15. August 1897 wurde die Strecke feierlich eröffnet. Sie gehörte zu einer insgesamt rund 154 Kilometer langen Verbindung von Hagenow über Ratzeburg, Bad Oldesloe und Neumünster bis nach Kiel – etwa 25 Kilometer kürzer als die damaligen Alternativen. Die Strecke wurde in Normalspur gebaut: Das bedeutet einen Schienenabstand von 1435 Millimetern – die in Deutschland, weiten Teilen Europas und der Welt übliche Spurweite, auf der die meisten Lokomotiven und Waggons verkehren. Brücken und Dämme wurden so großzügig ausgelegt, dass ein zweites Gleis möglich gewesen wäre. Trotz ihrer Bedeutung blieb die Bahnstrecke jedoch stets eingleisig.

Von militärischen Zwecken zur „Rübenbahn“

Zunächst diente die Strecke vor allem repräsentativen und militärischen Zwecken, später entwickelte sie sich zu einer wichtigen Verkehrsader für Personen und Güter. In der Nachkriegszeit transportierte die „Rübenbahn“ jedes Jahr nach der Zuckerrübenernte tausende Tonnen Erntegut auf dieser Strecke. Der Personenverkehr zwischen Hollenbek und Ratzeburg endete am 29. September 1962, der Güterverkehr hielt sich noch bis Dezember 1993. Am 14. Dezember 1994 wurde die Strecke endgültig stillgelegt – auch weil ihre strategische Bedeutung nach dem Ende des Kalten Krieges entfiel.

Doch die Bahn lebt weiter: Seit Ende der 1990er-Jahre organisiert die Erlebnisbahn Ratzeburg auf dem 13 Kilometer langen Abschnitt einen besonderen Freizeitspaß. Mit Passagierdraisinen können Besucher heute die historische Trasse aktiv erleben. Ein Trassensicherungsvertrag sorgt zudem dafür, dass die Strecke erhalten bleibt – für den Fall, dass sie eines Tages erneut eine Rolle im modernen Bahnverkehr spielen soll. und FG
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