„Unsere Gäste sollen ein bisschen Lübecker Geschichte schnuppern“, sagt Timo Kaacksteen. Er kommt aus der Immobilienbranche. Ihm gehört auch das Gebäude. Zusammen mit dem Lübecker Gastronomen Jonathan Gebhardt betreibt er jetzt als neuer Inhaber das alte Lokal.
Der Name bleibt, aber die neuen Inhaber ändern das Konzept. Die Lübecker Hanse bekommt einen umfassenden Umbau und eine neue kulinarische Ausrichtung, neue Tischmöbel und ein angepasstes Logo. „Ziel ist ein kompletter Neustart, um dem historischen Lokal eine neue Sichtbarkeit und Relevanz zu geben“, sagt Kaacksteen. Es sei eine hohe fünfstellige Geldsumme investiert worden.
Das Restaurant im Kolk nahe dem Figurentheater und dem Museum ist selbst kein Museum. Und doch ist es eine fast museale Begegnung mit einstigen Epochen. Das möchten die Inhaber fest in ihr Konzept einbinden.
Das Lokal bietet noch andere unscheinbare Geheimnisse: So sollen die Räumlichkeiten mit dem imposanten Gewölbekeller einst eine direkte Verbindung zum Petrikirchplatz gehabt haben. Und deshalb hatte das Gebäude einst zwei Erdgeschosse, eines am Kirchhof, das andere am Kolk. Heute gibt es nur noch einen Eingang.
„Jeder, der diese Räume betritt, sieht sozusagen die Geschichte des Hauses“, sagt Kaacksteen. Alte Möbel zeugen von früherer Nutzung, etwa die Inschrift „An Gottes Segen ist alles gelegen“.
Kaacksteen und Gebhardt vermuten, dass es sich um eines der ältesten Restaurants auf der Altstadtinsel handelt. „Vielleicht sogar das älteste“, sagt Gebhardt. Eine „klare Tischaufteilung“ soll sich den historischen Möbeln anpassen, sagt Gebhardt. „Wir wollen nicht von dem historischen Interieur ablenken“, sagt der Inhaber. Er möchte vor dem Lokal eine neue Holzterrasse bauen lassen. 56 Sitzplätze sollen es innen werden, draußen kommen noch einmal 20 dazu.
Viele Touristen strömen durch die kleine Gasse, wenn sie das benachbarte Figurentheater und das Museum besuchen wollen. „Das ist unsere Chance“, sagt Gebhardt, der deshalb auch Außenplätze anbieten will. „So dicht an historischen Stätten wie der Petrikirche oder dem Figurentheater setzen wir auf Synergien“, sagt Inhaber Kaacksteen.
Und was wird in der hanseatischen Brasserie, wie Gebhardt die Ausrichtung nennt, auf die Teller kommen? „Wir setzen auf eine moderne Küche mit Bezug auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Es soll eine Mischung aus deutscher und französischer Küche geben“, sagt Gebhardt. „Weltoffen, nicht rein fleischlastig, mit Traditionsbezügen wie dem Angebot von Schnecken“, sagt er. „Die gab es vor 50 Jahren hier auch“, sagt Gebhardt, der von einer „leicht gehobenen Küche“ spricht.
„Aber es soll auch eine produktive Küche werden, die regionale Partnerbauern mit einbezieht“, sagt der Inhaber, der mit der traditionellen deutschen Küche, modern interpretiert, punkten will. Dabei sind Klassiker wie Labskaus, Kassler oder Rouladen – jedoch „in Tapas-Manier, welche dann alle in der Mitte des Tisches zum Teilen serviert werden“. Der neue Küchenchef ist der alte Küchenchef. Heißt: Matthias Schettler hat hier bereits früher die Küche geleitet. Der 56-Jährige kennt das Lokal also aus dem Effeff – genauso wie Katy Caro, die 41-jährige, künftige Restaurantleiterin. Sie hat bis zum Neustart die „alte“ Lübecker Hanse betrieben.
Die geplanten Öffnungszeiten sind täglich außer Dienstag immer ab 17 Uhr.