Stockelsdorf: Kritische Tönebei der Neujahrs-After-Work-Party
Bürgermeisterin Julia Samtleben mahnt mehr Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein an.

Bürgermeisterin Julia Samtleben und Bürgervorsteher ManfredBeckamm stoßen bei der Neujahrs-After-Work-Party inStockelsdorf auf das Jahr 2026 an.Foto: Sebastian Prey
Stockelsdorf. Die Stimmung beim Neujahrsempfang in Stockelsdorf ist seit Jahren etwas Besonderes. Entsprechend groß war der Andrang bei der diesjährigen After-Work-Neujahrsparty in der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Stockelsdorf am Bohnrader Weg. Fast 400 Gäste sorgten gemeinsam mit DJ Raik Henning für eine ausgelassene, aber auch nachdenkliche Atmosphäre.

„Das ist die beste Location, die Stockelsdorf zu bieten hat“, schwärmte Bürgervorsteher Manfred Beckmann (CDU) und meinte damit die Mischung aus Bodenständigkeit und Gemeinschaftsgefühl.

Eindringlicher Appell

an den Zusammenhalt

Mit einer bewusst launigen Ansprache eröffnete der Bürgervorsteher den Abend. „Lassen Sie uns einfach die reale Welt da draußen ein paar Stunden vergessen“, sagte er und kündigte Gespräche, Essen, Getränke, Musik – und nur wenige Informationen – an. Tatsächlich verzichteten sowohl Beckmann als auch Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) auf klassische Neujahrsansprachen mit großen Projektankündigungen oder Zukunftsvisionen.

Samtleben nutzte ihre Rede aber für einen eindringlichen Appell an den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie beobachte, dass bei manchen die Erwartung wachse, der Staat werde alle Probleme lösen. „Viele der Älteren wissen noch, dass Gemeinschaft auch heißt, füreinander einzustehen und selbst mit anzupacken“, sagte sie und stellte die Frage in den Raum, was jede und jeder Einzelne selbst beitragen könne.

Scharfe Kritik an

Kommunalpolitik

Deutlich kritischer als im Vorjahr äußerte sich die Bürgermeisterin zur Kommunalpolitik. Vor zwölf Monaten schwärmte Samtleben, dass es keine andere Gemeinde in Deutschland gebe, die so sachorientiert arbeite. Es gebe in der Gemeindevertretung keinen Streit um des Streitens willen und kein Blockieren von Beschlüssen. Am Freitagabend zog sie nun eine ganz andere Bilanz. Die politischen Gremien hätten wichtige Entscheidungen für Kitas, Schulen, Straßen, Vereine und die Zukunft der Gemeinde zu treffen. „Manche in unserer Gemeindevertretung scheinen manchmal zu vergessen, dass sie genau diese Verantwortung tragen. Sie benehmen sich dann so, als seien sie Opposition, und ich wäre die Regierung. Das schmeichelt mir ja – aber in Wahrheit leite ich nur die Verwaltung. Die politischen Entscheidungen treffen die Gremien.“ Zwar seien die Beschlüsse der vergangenen Jahre überwiegend sachorientiert gewesen, doch diese Konzentration auf die Sache sei im Jahr 2025 teilweise verloren gegangen. Samtleben schloss mit einem klaren Wunsch: „Dass wir respektvoll miteinander umgehen, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Und dass wir den Mut behalten, Probleme offen anzusprechen, ohne uns gegenseitig schlechtzureden.“ Sie selbst denke bei ihrer Arbeit im Rathaus an alle 17.000 Stockelsdorferinnen und Stockelsdorfer – unabhängig von Wahlergebnissen.

Die Neujahrsansprache kam nicht überall gut an, Jens Andermann (SPD), lobte die Rede hingegen ausdrücklich.

Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Verbänden, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, darunter die Landtagsabgeordneten Sandra Redmann (SPD),
Bina Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und Wiebke Zweig (CDU), Bad Schwartaus Bürgermeisterin Katrin Engeln (Grüne), Ratekaus Bürgervorsteher Daniel Thomaschewski (CDU), Stockelsdorfs ehemalige Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann sowie Ehrenbürgervorsteher Harald Werner. Sie sahen: Das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde funktioniert. Das stellten die Feuerwehr und das DRK unter Beweis, die mit Grillwurst und Gemüsepfanne für das leibliche Wohl der Gäste sorgten. sep
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