„Es soll emotionale Verbindungen schaffen, damit sich alle besser aufgehoben fühlen“, sagt Marco Beckers, einer der Initiatoren. In den USA läuft das Konzept seit Jahren unter der Bezeichnung „Challenge Day“, in Belgien und in den Niederlanden heißt es „Over de Streep“. Der Anspruch ist hoch. „Unsere Vision: eine Welt, in der sich jedes Kind sicher, geliebt und gefeiert fühlt“, steht auf der Internetseite des deutschen Ablegers online unter www.crosstheline.info
Ende von Einsamkeit
und Isolation?
„Wenn sich die Schülerinnen und Schüler besser kennenlernen und sich so zeigen können, wie sie sind, schafft das Gemeinsamkeit“, erklärt Marco Beckers. „Die Jugendlichen hören auf, sich gegenseitig zu verletzen.“ Das könne Einsamkeit und Isolation verringern oder beenden.
Der Workshop richte sich an Jugendliche ab 14 Jahren, erklärt Beckers, dauere etwa sechs Stunden und sei für bis zu 130 Teilnehmende zugleich geeignet. „Cross The Line“-Trainer leiten ihn an, außerdem sind Lehrer und Schulbegleiter dabei – aber keine Eltern. „Wir fangen mit Lockerungsübungen an: Musik, Tanzen, ein paar verrückte Sachen machen“, berichtet Beckers.
Die Workshop-Leiter erzählen sehr persönliche Begebenheiten aus ihrem Leben, zum Beispiel von Suchtproblemen in ihrer Familie oder von einer schweren Krankheit. Anschließend werden die Jugendlichen ermuntert, in kleinen Gruppen ebenfalls eine persönliche Geschichte zu teilen. „Es muss aber niemand sein tiefstes Geheimnis hervorholen, wenn er oder sie das nicht möchte“, betont Beckers.
Die Hauptübung „Cross The Line“ besteht aus dem oben beschriebenen Gang über die Linie. „Geh über die Linie“, heißt es, „wenn ein naher Angehöriger von dir gestorben ist“ oder „wenn du wegen deines Äußeren gemobbt wurdest“. Die ILY-Geste der Gebärdensprache – Daumen, Zeigefinger und kleiner Finger ausgestreckt, Mittel- und Ringfinger abgewinkelt – soll zeigen: „Ich sehe und respektiere dich.“ Die Teilnehmenden bemerkten so, dass sie mit ihren Themen nicht allein seien, erläutert Beckers.„Cross The Line“ sei kein reines Anti-Mobbing-Programm, hebt Marco Beckers hervor. „Es geht darum, tiefe Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen.“ Der Niendorfer, Jahrgang 1978, hat zwei Kinder, kommt ursprünglich aus dem Finanzwesen, hat Wirtschaftspsychologie studiert und den Wunsch entwickelt, mit Jugendlichen zu arbeiten. „Was können wir tun, damit es uns gut geht?“ Diese Frage habe ihn umgetrieben, sagt er. Dann sei er auf „Over de Streep“ gestoßen. Für das deutsche Angebot hätten er und seine Mitstreiter den Namen „Cross The Line“ gewählt.
„Große Bereicherung
für alle“
Die CKS hat einen Bericht über den Workshop auf ihrer Internetseite unter www.cesar-klein-schule.de veröffentlicht. „Ich habe den Tag als große Bereicherung für alle empfunden“, erklärt CKS-Lehrer Ulf Krebelder. „Die Schüler verhalten sich seither anders, zeigen mehr Empathie, und wir können besser mit ihnen Unterricht machen.“ Der Workshop markiere den Start in eine neue Schulkultur, sagt Krebelder.Weitere Informationen gibt es direkt bei Marco Beckers,
E-Mail: marco@crosstheline.info