Die Gemeinde ist finanziell angeschlagen. Ahrensbök ist deshalb gezwungen, den Rotstift anzusetzen – auch bei der Bücherei, die 100.000 Euro jährlich Minus macht. Deshalb steigen die Bücherei-Gebühren ab Januar für einen Erwachsenen von 20 auf 60 Euro im Jahr. Die Familienmitgliedschaft von 42 Euro jährlich wird gestrichen. Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studenten müssen weiterhin nichts bezahlen.
„Damit ist die Bücherei vermutlich die teuerste Deutschlands – zumindest eine der teuersten“, sagt Penz. Ein Blick in andere Städte bestätigt den Eindruck: In Lübeck kostet die Bücherei-Karte 24 Euro im Jahr, in München und Düsseldorf 20, in Berlin 10 Euro. Hamburg nimmt aktuell mit 45 Euro im Jahr für Erwachsene die höchste Gebühr in Deutschlands Großstädten. „Künftig ist Ahrensbök teurer“, betont Penz.
Dass eine Anhebung erforderlich ist, war auch ihr, ihrem Stellvertreter Peter Vergien und Schriftführerin Anna-Lena Schuler klar. Der Vereins-Vorschlag: eine sozialverträgliche Anhebung auf 30 Euro jährlich. Doch es kam anders. Jetzt werde es schwierig, die Nutzerzahlen zu steigern. „Viele können das nicht bezahlen“, sagt Penz. So geschockt der Vorstand über den drastischen Schritt ist, so glücklich war das Trio über die Resonanz bei der Gründungsfeier von AhrensBook am 21. November, die eigentlich ein neues Kapitel der Bücherei aufschlagen sollte.
„Der Anklang war riesengroß“, erinnert sich Schuler an die Versammlung mit etwa 60 Gästen. Sofort ging es an die Arbeit. Der Vorstand sammelte Ideen, wie die Nutzerzahl von derzeit 750 gesteigert werden kann. „Wir wollen die Bücherei und die Angebote, die sie hat, bekannter machen. Wir wollen Fördertöpfe anzapfen, um zum Beispiel Möbel anzuschaffen. Wir wollen Veranstaltungen initiieren. Wir wollen mit dem Kulturkreis und dem Kiwanis-Club zusammenarbeiten“, erklärt Penz. Schuler erzählt von einem Puschen-Kino oder Bücher-Blind-Dates, die auf die Beine gestellt werden sollen, und sagt: „Wir haben so viele Ideen.“
Ziel sei es jetzt, trotz hoher Gebühren die 1959 gegründete Bücherei mit ihren 15.000 Medien „so attraktiv zu gestalten, dass die Leute nicht abspringen“, sagt Vergien.
Für den Verein, der am 7. Januar (19 Uhr) Mitglieder und alle Interessierten zum ersten Treffen in die Bücherei im Bürgerhaus einlädt, ist die Rettung eine Herzensangelegenheit. „Es ist viel mehr als eine Bücherei. Hier begegnen sich Menschen“, sagt Schuler. Bücherei-Mitarbeiterin Ute Denkert-Fengler begrüßt Schulklassen und Kindergärten und organisiert den Ferienleseclub, die Bücherbande und Kinder- und Jugendbuch-Wochen. „Hier wird gelebt“, sagt Denkert-Fengler.
Wird der Einsatz des Vereins, die Bücherei zu einem Treff- und Anlaufpunkt für die Gemeinde zu entwickeln, nun durch die Erhöhung zu einem aussichtslosen Kampf? „Nein“, antwortet das Trio unisono. „Wir schütteln uns und schauen nach vorne.“ Dann nimmt Andrea Penz das neue Buch aus dem Regal. „Aufgeben können die anderen“ – der Titel ist jetzt ihr Motto. „Wir glauben an unsere Bücherei.“